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Das kleine 1×1 der Mediennutzung bei Kindern

von | 22.06.2023 | Stories

Das kleine 1×1 der Mediennutzung bei Kindern

Wer kennt es nicht – die tägliche Diskussion um die Länge der Screentime unserer Kinder. Wir Großen wissen um die Wichtigkeit der zeitlichen Begrenzung und wie schön Erinnerungen sein können. Dabei behalten wir als Erwachsene oft das große Ganze im Auge und legen Wert auf den bewussten Umgang mit Unterhaltung. Die Knirpse wiederum versuchen mit allen Mitteln jeden Tag aufs Neue sich „nur noch“ eine Folge herauszudiskutieren, zu erquängeln, zu erkämpfen. Geknüpfte und austarierte Medienzeit“verträge“ mit den eigenen Kindern sind einem täglichen neuen Sturm ausgesetzt. Oder bei der vielen gemeinsamen Zeit in den eigenen vier Wänden der letzten zwei Jahre notgedrungen freiwillig mit weißen Fahnen wedelnd von uns Eltern ausgesetzt worden. Und: Hand aufs Herz! Auch wir Eltern haben unsere Medienzeit nicht nur durch das Home Office ausgedehnt, sondern auch um sich eine „schnelle Unterhaltung“ mit möglichst geringem Aufwand zu schaffen. Aber, nun kehrt mit jedem Tag mehr, unser früheres Leben, ja fast die langersehnte Normalität, zurück. Die Welt dreht sich wieder um die eigene Achse und somit ist auch die Notwendigkeit klare Regeln für Fernseher, Tablet, PC und Smartphone aufzustellen still und leise auf unsere Sofas zurückgekehrt. 

Auch wenn es bisweilen schwerfällt den flehenden Bitten nicht nachzugeben, so sollten wir gemeinsam mit unseren Kindern eine Übereinkunft finden. Und dabei auch unser eigenes Mediennutzungsverhalten in Frage stellen. Von Kindern zu fordern, was wir als Erwachsene nicht vorleben, ist ein aussichtsloses Unterfangen, das von Kindern als unfair und willkürlich empfunden wird. Wenn es also z.B. in den Familienregeln heißt beim Essen gibt es keine Handys und Co, dann gilt das selbstverständlich für jedes Familienmitglied. Nicht nur für die Kleinen.

Tägliche Mediennutzung bei Kindern aus Sicht der Wissenschaft

Aber zurück zur Frage nach der täglichen Mediennutzungsdauer. Die Wissenschaft rät hierzu Folgendes: erst ab Schuleintritt wird eine tägliche Bildschirmzeit von höchstens 15 Minuten vorgeschlagen. Nach der Grundschule, so empfiehlt es der Ulmer Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer, könne aus der Sicht der Hirnforschung eine Erweiterung der Fernsehzeit auf eine halbe Stunde täglich erwogen werden. Bumm. Eine Aussage, bei der wir Eltern sicher alle plötzlich sehr klein auf unserem Sofa werden. Keine Sorge, das ist – sagen wir mal so – die Theorie. In der Praxis ist das tatsächlich nicht so einfach in die Tat umzusetzen. Dennoch sollten wir diesen grundsätzlichen Optimalwert einmal bewusst wahrgenommen haben.

Das kleine 1×1 der Mediennutzung für Familien

Zur Orientierung nach Alter empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Familien einen besonnenen Umgang mit digitalen Medien. Dabei sollten Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder, aber auch den eigenen im Blick behalten. Hierbei werden die folgenden Zeiten empfohlen:

  • Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren: keine Bildschirmmedien nutzen
  • Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren: höchstens 30 Minuten täglich
  • Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren: höchstens 45 bis 60 Minuten täglich

Mediennutzung und ihre Folgen für die Kleinen

Ein deutliches Mehr an Bildschirmzeit wird in Forschungsergebnissen mit womöglich späteren Entwicklungsstörungen, schlechter Haltung und Übergewicht korreliert. Kinder, die viele Stunden am Tag vor den Geräten verharren, haben nicht nur ein körperliches Defizit, auch der soziale Kontakt mit den Freunden ist so praktisch unmöglich. Die Folgen: Ausschließen vom Freundeskreis in der Schule, Übergewicht und gesundheitliche Spätfolgen. Die kindlichen Hirnstrukturen befinden sich während der Entwicklung auch in einem ständigen Zustand des Vernetzungsaufbaus. Dafür müssen sie aber gefordert und gefördert werden. Vor einem Bildschirm jedoch wird das nicht erreicht. Die Zeit zum Erleben und Erfahren der Lebenswelt schrumpft zugunsten des erhöhten Medienkonsums. Alles in allem also eine ziemlich ungesunde Angewohnheit. Wusstet Ihr zudem schon, dass durch die ständige Beschäftigung im Nahsichtbereich auch Kurzsichtigkeit gefördert wird? Das Auge wird für die Weitsicht in die Ferne nicht trainiert und nach und nach passt sich die Form des Auges an den einseitigen Einsatz an. Dies betrifft in immer größerem Maße auch Kinder und Jugendliche.

Wie geht man tatsächlich am besten mit dem Thema um?

Der Fernsehkonsum innerhalb Eurer Familie ist sicher so individuell wie jede Familie selbst es ist. Daher gibt es unseres Erachtens nicht die eine feste Regel, sondern lediglich Orientierungshilfen in Bezug auf die Zeitlimitierung. Einige dieser wichtigen Regeln hat auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sehr gut zusammengefasst und auf den Punkt gebracht:

  • Vereinbart mit Eurem Kind verbindliche Zeiten für die Nutzung digitaler Medien.
  • Interessiert Euch für die digitalen Aktivitäten Eurer Kinder – lasst davon berichten, nehmt Anteil oder spielt gegebenenfalls mit.
  • Seid authentisch und haltet Euch auch selbst an vereinbarte Zeiten.
  • Plant gemeinsame Aktivitäten: Das können Gesellschaftsspiele, sportliche Aktivitäten, Ausflüge oder Spaziergänge sein. Was immer der Familie zusammen Spaß macht: Bei diesen Aktivitäten sollten digitale Medien für alle tabu sein.
  • Auch beim gemeinsamen Essen und während einer Unterhaltung sollten digitale Medien Pause haben. Schenkt Eurem Kind/ Euren Kindern Eure ungeteilte Aufmerksamkeit. Das ist ein wertvolles Geschenk.

 

Von Eltern zu Eltern

Und unsere persönliche Ergänzung: Manchmal darf man „5 auch mal gerade sein lassen“ und ein sich z.B. mit Erkältung zu Hause langweilendes Kind auch mit gutem Gewissen zwei Trickfilme mehr ansehen oder mit Freunden chatten lassen. Ausnahmen sollten nur nicht zur generellen Regel werden. Und auch kleine ausgefuchste Tauschgeschäfte sollten durchaus hin und wieder in Betracht gezogen werden: 30 Minuten mehr Fernsehzeit – ok, aber nur heute und dafür wird auch ohne Murren 30 Minuten Lesen geübt. Und wetten, dass wenn erstmal gemeinsam eine spannende Geschichte gefunden wurde, keiner mehr dem Fernseher nachtrauert, sondern begeistert gemeinsam mit Mama oder Papa in der fantastischen Bücherwelt abgetaucht wird.

 

Und ach ja: Bei uns im Familienparadies gibt es eine unzählige Möglichkeiten, zusammen mit den Kindern dem Alltag zu entfliehen und ganz viel gemeinsame Offline-Zeit in der Natur zu verbringen. Bei uns werden unvergessliche Erinnerungen für die gesamte Familie geschaffen. Tage, an die sich Groß und Klein gerne immer wieder zurückerinnern.

 

In diesem Sinne freuen wir uns auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen oder erstes Kennenlernen mit jeder Menge Weitsicht inmitten unserer herrlichen Bergwelt.

Eure Familie Hlebaina – vom Kinderhotel am Achensee